Das Wort zum Sonntag – Der etwas andere Sterntaler

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Guten Abend, heute wurde es wieder etwas später aber dafür gehe ich hochmotiviert ans Werk. Ich habe den ganzen Tag gelernt (+hust+ .. über Produktivität lässt sich streiten, aber die Lautwandelverschiebung hab ich jetzt komplett durch!) und im laufe der letzten Woche wieder genug Texte für die nächsten Wochen gesammelt, sodass ich nicht in die Bedrängnis komme ständig Songtexte zu analysieren. Versteht mich nicht falsch, das macht sehr viel Spaß und die meisten beeindruckenden Texte sind nun mal vertonte, aber irgendwie empfinde ich es als langweilig ständig Lieder oder Gedichte zu machen.

Heute ist der Name des Werks nicht im Titel, wie euch aufgefallen sein mag. Das liegt vor allem daran, dass dann der Titel verdammt lang geworden wäre. Es handelt sich nämlich um:

„Das Märchen der Großmutter“ aus Woyzeck von Georg Büchner

Nachzulesen ist die Szene im ‚Woyzeck‘ von Georg Büchner. In der Ausgabe Reclam von 1980 ist es Seite 23 Szene ‚Strasse‘, 2005 ist es Seite 32 Szene 19 „Marie mit Mädchen vor der Haustür“. Ich nutze hier die Ausgabe von 1980, warum erläutere ich später.

Großmutter. Kommt, ihr kleinen Krabben! – Es war einmal ein arm Kind und hatt kein Vater und keine Mutter, war alles tot und war niemand mehr auf der Welt. Alles tot, und es ist hingangen und hat gesucht Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt’s in Himmel gehn, und der Mond guckt es so freundlich an; und wie es endlich zum Mond kam, war’s ein Stück faul Holz. Und da is es zur Sonn gangen, und wie es zur Sonn kam, war’s ein verwelkt Sonnebnlum. Und wie’s zu den Sternen kam, waren’s kleine goldne Mücken, die waren angesteckt, wie der Neuntöter sie auf die Schlehen steckt. Und wie’s dieder auf die Erde wollt, war die Erde ein umgestürtzer Hafen. Und es war ganz allein, und da hat sich’s hingesetzt und geweint, und da sitzt es noch und is ganz allein.

‚Woyzeck‘ von Georg Büchner ist ein nur  in Fragmenten überliefertes Drama welches wahrscheinlich im Sommer 1836 zu entstehen begann. Leider blieb das Werk unvollendet durch den frühen Tod des Autors im Jahr 1837. Das weitaus größere literaturwissenschaftliche Problem ist jedoch, dass die Einzelteile nicht sortiert sind. Überliefert ist das Manuskript in mehreren Entwurfsstadien, teilweise sind Szenen voll ausformuliert, manchmal ist es kaum mehr als eine Notiz. Erstmals veröffentlicht wurde es 1879 und seither vielfach überarbeitet. Die letzte Fassung ist 2009 im Hamburger Leseheft Verlag erschienen. Die verschiedenen Editionen variieren stark in Formatierung, Reihenfolge der Szenen und teilweise auch im Wortlaut. Grundsätzlich ist keine der Versionen autorisiert da Büchner eigentlich verboten hat, dass nach seinem Tod weitere Werke von ihm veröffentlicht werden. Sein Nachlassverwalter hat jedoch nach und nach alle seine privaten Aufzeichnungen wie zum Beispiel Briefe und Notizen veröffentlicht. Ich habe mich für die 1980er Ausgabe von Reclam entschieden weil ich sie von der Reihenfolge her als sinnvoller empfinde als die 2005er. Außerdem unterscheidet sich der Wortlaut des Märchens stellenweise, stimmt aber mit der 2009er Ausgabe des Hamburger Leseheftes überein.

Woyzeck ist ein einfacher Soldat der sich als Laufbursche für den Hauptmann verdingt um etwas Geld extra für sein uneheliches Kind und seine Freundin Marie zu verdienen. Zusätzlich lässt er sich, um seinen mageren Sold weiter aufzubessern, von einem skrupellosen Arzt auf eine absolute Erbsendiät setzen. Neben der psychischen und physischen Schinderei erniedrigen sie ihn in der Öffentlichkeit und ergötzen sich an seinem Leid. Dass Woyzeck psychisch nicht ganz auf der Linie läuft wird schon in der ersten Szene klar, als er meint, die Freimaurer greifen an. Im Laufe des Dramas nimmt seine Verunsicherung und die psychische Labilität weiter zu. Unter anderem wird in ihm der Verdacht geweckt, zwischen dem Tambourmajor und seiner Geliebten laufe etwas, was sich später bestätigt. Zwar weißt Marie ihn zuerst ab, gibt aber schließlich seinen Avancen doch nach. Im Zweikampf unterliegt Woyzeck. Stimmen beginnen ihm einzuflüstern, er solle Marie töten, seine Versuche sich seinem Freund Andres anzuvertrauen scheitern an dessen Ignoranz. Schließlich kauft er sich ein Messer, da sein Geld für eine Pistole nicht reicht. Marie befindet sich mit mehreren Kindern auf der Straße und hört einer Großmutter zu, die eine stark abgewandte Form des Märchens vom Sterntaler erzählt als Woyzeck sie zu einem Spaziergang abholt. Er führt sie in den Wald an einen See und ersticht sie. Kinder unterhalten sich darüber, dass in der Stadt eine Leiche entdeckt wurde.

Das Märchen ist eine stark abgeänderte Version des Märchens vom Sterntaler. Es ist ein Anti-Märchen mit schlechtem Ausgang. Im Gegensatz zu dem Stück, das die Gebrüder Grimm um 1815 aufgeschrieben haben findet das Mädchen nicht zum Glück durch ihre Großherzigkeit sondern verliert sich auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrer Einsamkeit. Beide Märchen gehen von einer fast identischen Ausgangssituation aus. Ein kleines Mädchen, ein Waisenkind zieht von zu Hause aus. Doch während das Mädchen aus dem Sterntaler sich auf den Weg macht und weiteren Armen begegnet, die schlechter dran sind als sie und mit ihnen teilt, was sie hat sucht das Mädchen aus dem Märchen der Großmutter nach einem Ort, an dem es weniger einsam ist und wird dabei in einer Tour enttäuscht. Das Sterntalermädchen wird am Ende so reich beschenkt, dass es bis ans Ende ihrer Tage reicht. Sie wird als ideales Kind, als idealer Mensch dargestellt der selbst in Zeiten der Not noch fähig ist Trost zu spenden, der selbst teilt, wenn kaum noch etwas zu teilen da ist. Die Geschichte will uns lehren, in jeder Situation selbstlos zu handeln. Das Kind aus dem anderen Märchen jedoch wird in keiner Weise idealistisch dargestellt. Es ist in seiner Natur als Kind auf der Suche nach Trost und kann ihn nirgends finden. Selbst als sie zur Erde zurück kehrt findet sie dort nur eine umgekippte Schüssel und ist weiterhin alleine.

Das Märchen spiegelt sehr stark Büchners Weltbild wider. Unter anderem erkennt man sehr eindrucksvoll die atheistische Neigung des Autors darin, dass das Kind in den weit entfernten Himmelskörpern nicht den erhofften Trost sondern nur Enttäuschung findet. Es sind nur unbrauchbare Gegenstände, von denen nichts zu erwarten ist. Überträgt man die Bedeutung des Märchens auf das ganze Drama ergibt sich daraus ein Teufelskreis mit dem Kind von Maria und Woyzeck im Mittelpunkt.

 

So spät schon, aber immer noch Sonntag. Ich habe heute ein bisschen zu lang für meinen Artikel gebraucht, aber immerhin weiß ich, wem ich die Schuld dafür geben kann. Übrigens habe ich Beschwerden erhalten, ich schreibe zu viele lange Artikel. Also ich persönlich dachte ja immer, das sei erwünscht, aber das Angebot richtet sich nach der Nachfrage, demnächst gibt es immer mal wieder zwischen durch etwas kürzere Artikel. Übrigens brauche ich immer noch ganz ganz viele Sätze, Definitionen, Assoziationen für meine Collage über Freundschaft.

In diesem Sinne, gute Nacht und eine schöne Woche!

(K)Ein Wort zum Sonntag – Jahresrückblick 2011

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So, heute gibts ’nur‘ einen Jahresrückblick, weil ich den Text für das Wort zum Sonntag immer noch nicht übersetzt habe. Shame on me. Vielleicht sollte ich es lieber doch ganz lassen oder offiziell von seiner Regelmäßigkeit befreien. Wundert euch nicht, ich behandle den Blog schon wieder etwas stiefmütterlich, nächsten Monat sind Prüfungen. Neuere Deutsche Literatur und Mediävistik darf ich nicht wiederholen falls ich durchfalle sondern muss das ganze Seminar neu belegen und Einführung in die Programmierung hat eine Durchfall-Quote von 50% .. Hell yeah. Irgendwas habe ich bei meiner Fächerwahl nicht bedacht. Naja, viel Spaß mit dem Rückblick. Übrigens brauche ich immer noch Assoziationen zu ‚Freundschaft‘. Mit dem, was ich bisher bekommen habe wird das eine magere Collage.

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10 war mein Jahr so ziemlich alles von 1 bis 10. Dieses Jahr hab ich wirklich so ziemlich alles mitgemacht. Aber ich glaube ich hatte sowohl die schönste Zeit als auch die schlimmste Zeit meines Lebens.

2. Zugenommen oder abgenommen?

Abgenommen! Und das nicht mal mit Absicht.

3. Haare länger oder kürzer?

Kurz. Ganz kurz. 😀

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Offiziell unverändert, aber ich zwick die Augen inzwischen auch mit Linsen wieder zusammen. Also wahrscheinlich schon wieder kurzsichtiger.

5. Mehr Kohle oder weniger?

Weniger .. .____.

6. Besseren Job oder schlechteren?

Eher so gar keiner. Und die Erkenntnis, dass ich mich nicht zur Nachhilfelehrerin eigne.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger. Die teuerste Zeit (Urlaub) habe ich mit Fieber im Bett verbracht.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Erkenntnis. Vor allem Erkenntnis. Und neue Freunde.

9. Mehr bewegt oder weniger?

Weniger. Ich war dieses Jahr länger denn je ans Bett gefesselt.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Eine Patella Luxation, eine OP und eine wunderschöne Krankheit im Urlaub. Den Rest würde ich nicht als Erkrankung bezeichnen.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?

Die Operation bzw. die Schmerzen danach.

12. Der hirnrissigste Plan?

Alles hinschmeißen und für ein Jahr wegfahren. Wurde leider nicht umgesetzt.

13. Die gefährlichste Unternehmung?

Anscheinend in der Disko tanzen -.-“ -> Patella

14. Die teuerste Anschaffung?

Öhm… mein Abiballkleid? Habe ich aber geschenkt bekommen.

15. Das leckerste Essen?

Keine Ahnung!

16. Das beeindruckendste Buch?

Schwer zu sagen. Aber ich habe Ende des Jahres „Der kleine Hobbit“  von Tollkien nochmal gelesen. Das war natürlich klasse. Ansonsten so ziemlich alles von Terry Pratchett.

17. Der ergreifendste Film?

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 2 – Joanne K. Rowling ich hasse dich dafür, dass du die Helden meiner Kindheit hast sterben lassen!

18. Die beste CD?

Beeindruckenderweise habe ich mir 2011 glaube ich keine einzige CD gekauft. Aber wenn man den Begriff ausweitet dann meine The Big Bang Theory Staffeln 😀

19. Das schönste Konzert?

Ich habe letztes Jahr auch kein einziges Konzert besucht. Irgendwas habe ich verpasst …

20. Die meiste Zeit verbracht mit?

Jonas.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?

Jonas.

22. Zum ersten Mal getan?

Fechten. Leidenschaft entfacht. 🙂

23. Nach langer Zeit wieder getan?

„Der kleine Hobbit“ gelesen und „Vom Winde verweht“ geschaut.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Eindeutig die Trennung.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Ausziehen und mitkommen. Tja …

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Ich habe meiner besten Freundin ein T-Shirt geschenkt und eine lebenslage Garantie darauf gegeben. Rückschließend aus ihren Facebook Profilphotos trägt sie es ziemlich oft :>

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Als Jonas am Ostersonntag mitten in der Nacht als ich schlief ins Krankenhaus gekommen ist um mir Schokoladeneier zu verstecken.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Ich dich auch.“

30. Dein Wort des Jahres?

Brainfuck.

31. Dein Unwort des Jahres?

Zukunft.

32. Dein(e) Lieblingsblog(s) des Jahres?

Ein Haufen Webcomics. Wahrscheinlich am meisten Beetlebum und AsuROCKS (von der ich auch den Jahresrückblick geklaut habe)

33. Zum Vergleich: Verlinke Deine Rückblicke der vorigen Jahre!

Hab ich nicht.

BÄM! Weltrekord ich komme!

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Eigentlich wollte ich diesen Post gestern schreiben, als es noch frisch und leidenschaftlich war aber ich habe mein Handy-zum-Computer-Kabel nicht gefunden und auf Bluetoothebene wollen die beiden einfach nicht miteinander kommunizieren. Aber heute im Schlaf kam mir die heldenhafte Idee das Bild einfach bei Facebook runter und hier wieder hoch zu laden. Hätt‘ ich auch mal früher drauf kommen können. Aber was denn nu eigentlich?

Ist das nicht unglaublich AWESOME! Ist es. Eindeutig. Weltrekord, ich komme. Google ist da zwar nur so Mittelaufschlussreich was den aktuellen Weltrekord in Tetris am Game Boy angeht, aber selbst vom Highscore, 999.999 bin ich nicht mehr weit entfernt :>

Was ist eigentlich Freundschaft? – Die Vorbereitung

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Es gibt gute Schmerzen, es gibt weniger gute. Gute Schmerzen sind, wenn man Abends auf der Couch liegt und nicht aufstehen mag, weil die Füße so furchtbar weh tun, weil man den ganzen Tag auf den Beinen war, weil man etwas erlebt hat. Weil man die ganze Zeit unterwegs war, Spaß hatte, etwas mit Freunden unternommen hat. Gute Schmerzen sind, wenn man am nächsten Tag aufsteht und einem die Ohren furchtbar fiepen, weil man einfach zu nah an der Box gefeiert hat. Wenn einem der Rücken, die Beine, die Füße, die Arme, der Kopf, einfach alles weh tut, weil man sein Leben einfach so richtig genossen hat. Oder wenn man in einer heißen Wanne liegt und sich kaum bewegen kann weil alle Muskeln schmerzen als hätte ein hässlicher kleiner Feuerteufel jede einzelne Faser angezündet. Wenn das Gesicht rot glüht und die Verbrennungen dort noch tagelang brennen werden. Aber man grinst trotzdem, denn man hatte einen unglaublich geilen Tag auf der Piste.
Mir tun heute meine Füße ziemlich weh, weil ich den ganzen Tag mit einem Freund unterwegs war, den ich schon ziemlich lange nicht mehr gesehen und gesprochen habe. Immer wieder mal sieht man sich irgendwo online, wechselt ein paar Worte und denkt sich, „hey, wir sollten mal wieder telephonieren“ … und dann wird doch ewig nichts mehr draus. Heute haben wir uns mehr oder weniger spontan getroffen weil ich am Freitag unter gewissem vertretbaren Alkoholeinfluss ein unvorsichtiges Versprechen gemacht habe. Und es hat sich wirklich gelohnt.

Dieser Tag und auch die darin gesprochenen Worte, die interessanten Themen und angeregten Diskussionen haben mich mal wieder zum Nachdenken gebracht. Ich möchte gerne intensiv darüber nachdenken, „Was ist Freundschaft?“. Aber ich will nicht einfach meine Gedanken formulieren und aufschreiben sondern viel mehr eine Art Collage machen. Also werde ich im Laufe der nächsten zwei Wochen möglichst viele Menschen dazu auffordern, mir ihre ersten Gedanken und Assoziationen zu ‚Freundschaft‘ aufzuschreiben. Nur ganz kurz, ein Satz, vielleicht ein Bild, irgendetwas Kleines. Viele kleine Teile, die ich zu etwas großem machen kann. Ich werde bis Silvester sammeln und irgendwann in den ersten Tagen des neuen Jahres den Beitrag schreiben. Fall ihr mitmachen wollt schickt mir bitte euren Text mit dem Betreff  „Freundschaft“ an meine e-mail Adresse kampfmieze(at)pdbsk.de ich würde mich sehr freuen 🙂

Das Wort zum Sonntag – Joseph von Eichendorff – Die zwei Gesellen

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„Wenn das Wörtchen Wenn nicht wär, wär mein Vater Millionär.“

Wenn ich heute nicht den ganzen Tag auf einer sinnlosen Seite mit sinnlosen Bilder und sinnlosen Memes rumgehangen wäre, wäre meine Hausarbeit früher fertig geworden. Wenn meine Hausarbeit früher fertig geworden wäre, hätte ich noch genug Zeit gehabt, und vor allem Muse, einen guten Blogeintrag zu schreiben. Aber die Zeit lässt sich blöderweise nicht zurück drehen. Aber weil ich so außerordentlich kluk bin und auch unglaublich trickreich habe ich dennoch einen geeigneten Text für euch vorbeiretet. Vor etwa einem Jahr. Im Zuge meiner Facharbeit …

Joseph von Eichendorff – Die zwei Gesellen

Es zogen zwei rüst’ge Gesellen
Zum erstenmal von Haus,
So jubelnd recht in die hellen,
Klingenden, singenden Wellen
Des vollen Frühlings hinaus.

Die strebten nach hohen Dingen,
Die wollten, trotz Lust und Schmerz,
Was Rechts in der Welt vollbringen,
Und wem sie vorübergingen,
Dem lachten Sinnen und Herz. –

Der erste, der fand ein Liebchen,
Die Schwieger kauft’ Hof und Haus;
Der wiegte gar bald ein Bübchen,
Und sah aus heimlichem Stübchen
Behaglich ins Feld hinaus.

Dem zweiten sangen und logen
Die tausend Stimmen im Grund,
Verlockend’ Sirenen, und zogen
Ihn in der buhlenden Wogen
Farbig klingenden Schlund.

Und wie er auftaucht’ vom Schlunde,
Da war er müde und alt,
Sein Schifflein das lag im Grunde,
So still war’s rings in die Runde,
Und über die Wasser weht’s kalt.

Es singen und klingen die Wellen
Des Frühlings wohl über mir;
Und seh ich so kecke Gesellen,
Die Tränen im Auge mir schwellen –
Ach Gott, führ uns liebreich zu dir!

Joseph von Eichendorff beschreibt in seinem Gedicht »Die Zwei Gesellen« eine in seiner Zeit unter jungen Männern weit verbreitete Mode, nach der Lehre auszuziehen, um in der Welt ihren Platz zu finden. Das Wort »romantisch« in seiner ursprünglichen Bedeutung lässt sich an Hand dieser Dichtung gut erklären, da sie in wortreichen Bildern zwei sehr verschiedene Richtungen beschreibt, die die Zukunft bringen kann. Zwei junge Männer mit dem gleichen Ziel, nämlich »Was Rechts in der Welt vollbringen« ziehen gemeinsam los, doch schon bald trennen sich ihre Wege. Denn »Der erste, der fand ein Liebchen / Die Schwieger kauft‘ Hof und Haus; / Der wiegte gar bald ein Bübchen, / Und sah aus heimlichem Stübchen / Behaglich ins Feld hinaus.«. Dieses Bild mag mit heutiger Betrachtungsweise sehr romantisch wirken, für die echten Romantiker jedoch ist es eine abstoßende Vorstellung. Der Zweite jedoch, der Abenteuer erlebt, verführt, verlockt und belogen wird, bis er eines Tages müde und alt »[…]auftaucht vom Schlunde« lebt das Leben, das für die Romantiker erstrebenswert erschien. Außerdem beispielhaft für die Epoche war der formale Stil, in dem dieses Gedicht gehalten ist. Das Volksliedhafte war sehr beliebt weshalb, auch viele Werke aus dieser Zeit später vertont wurden.

Diese kurze aber dennoch unvergleichbar geniale Analyse des Gedichts war Teil meiner Facharbeit, die sich nur mit dem Wort ‚awesome‘ beschreiben lässt. Doch wie die meisten genialen Künstler habe auch ich bisher nicht die verdiente Anerkennung erhalten. Meine Facharbeit behandelte das Thema ‚Die Epoche der Romantik und ihre Bezüge auf moderne Fantasyliteratur‘.

Ich würde gerne noch mehr davon berichten, vielleicht nächste Woche. Denn leider geht mir gerade so ein Bisschen der Strom aus. In diesem Sinne …

Das Wort zum Sonntag – My Immortal von Evanescence

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Das Wort zum Sonntag? Schon wieder am Montag? Also entweder ich denke mir einen neuen Namen für diese Kategorie aus oder ich lerne nochmal die Wochentage. Aber ich habe eine gute Ausrede: Sonntag ist kein Wochentag sondern ein Lebensgefühl!
Übrigens werde ich den Tag, an dem ich beim WordPress login auf Anhieb das richtige Passwort eingebe im Kalender Rot markieren. …

Nun aber zum Text. My Immortal von Evanescence ist ein wunderschöner Song (den ich auf dem Klavier spielen kann :D), bisher ohne große Bedeutung für mich, bis ich letztens zufällig auf den Text gehört habe. Dieser Blogeintrag ist also meiner besten Freundin gewidmet die diesen Oktober sehr weit von mir weg gezogen ist um Tiermedizin zu studieren. Pussy, ich vermisse dich. Sehr.

I’m so tired of being here
Suppressed by all my childish fears
And if you have to leave
I wish that you would just leave
Your presence still lingers here
And it won’t leave me alone

These wounds won’t seem to heal
This pain is just too real
There’s just too much that time cannot erase

[Chorus:]

When you cried I’d wipe away all of your tears
When you’d scream I’d fight away all of your fears
And I held your hand through all of these years
But you still have
All of me

You used to captivate me
By your resonating light
Now I’m bound by the life you left behind
Your face it haunts
My once pleasant dreams
Your voice it chased away
All the sanity in me

These wounds won’t seem to heal
This pain is just too real
There’s just too much that time cannot erase

[Chorus]

I’ve tried so hard to tell myself that you’re gone
But though you’re still with me
I’ve been alone all along

[Chorus]

Hier meine Übersetzung:

Ich habe keine Lust mehr hier zu sein
Niedergedrückt von all meinen kindischen Ängsten
Und wenn du gehen musst
wünschte ich du würdest einfach gehen
Aber deine Präsenz ist noch immer wahrnehmbar
Und sie will mich nicht in Ruhe lassen

Diese Wunden scheinen niemals zu heilen
Dieser Schmerz ist einfach zu wirklich
Da ist einfach zu viel was die Zeit nicht heilen kann

[Refrain:]

Wenn du geweint hast habe ich alle deinen Tränen getrocknet
Wenn du geschrien hast habe ich alle deine Ängste bekämpft
Und ich hielt all die Jahre deine Hand
Aber du hälst mich noch immer
ganz in deiner Hand

Du hast mich immer wieder bezaubert
Mit deinem nachhallenden Licht
Nun bin ich an das Leben gefesselt das du hinter dir gelassen hast
Dein Gesicht sucht mich heim
In meinen einst angenehmen Träumen
Deine Stimme verjagt
Meine gestige Balance

Diese Wunden scheinen nicht zu heilen
Dieser Schmerz ist einafch zu real
Da ist einfach zu viel was die Zeit nicht verjagen kann

[Refrain]

Ich habe so sehr versucht mir zu sagen dass du gegangen bist
Aber obwohl du noch bei mir bist
War ich die ganze Zeit alleine

In den letzten 12 Monaten hat sich für mich und die Menschen in meiner Umgebung sehr viel verändert. Ich bin gerade in etwas sentimentaler Stimmung weil ich das ganze Wochenende Plätzchen gebacken habe also möchte ich an dieser Stelle kurz den Menschen danken, die in dieser Zeit bei mir waren. Auch denen, die mich inzwischen verlassen haben, nur denen nicht, bei denen sich inzwischen alles als Lüge entpuppt hat. Bei aller Liebe und ich weiß, dass ich alles andere als perfekt bin, aber DAS habe ich nicht verdient.

So, genug Gefühlsduselei. Die Interpretation des Textes überlasse ich dieses mal jedem selbst, ich glaube die Übersetzung dürfte schon so ein bisschen zeigen in welche Richtung ich gedacht habe. Ich bin seit über 10 Jahren mit meiner besten Freundin befreundet, wir haben wirklich viel miteinander durchgemacht und alles haben wir überstanden. Vielleicht war das, was wir im Frühjahr miteinander durchmachen musste einfach zu viel für unsere Freundschaft. Wir können uns so viel vorlügen wie wir wollen, aber es wird nie wieder so wie vorher. Wir können nur versuchen aus den Trümmern ein neues Schloss zu bauen. Und es wird ein wunderschönes Schloss. Versprochen.

 

P.S.: Nichts gegen mein Englisch, mein Englisch ist TOLL!

Das Wort zum Sonntag – „Die Prinzessin der Schwerter“

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Das Wort zum Sonntag, diesmal am Montag. Gestern hat WordPress mich auf Teufel komm raus nicht einloggen lassen, die App von meinem Handy ist auch schon beim starten abgestürzt. Heute Nachmittag ging alles problemlos, dann grad eben zickte WP wieder. Ich weiß ja nicht, woran das liegen könnte. Aber jetzt hier endlich das erste Wort zum Sonntag seit einer halben Ewigkeit.

Diesen Text hat eine gut Freundin von mir gefunden und mir sofort verlinkt. Die Autorin nennt sich , die Hübsche und schreibt seit 2006 den Blog Randbemerkungen. Eine Sammlung von kleinen Denkereien und größeren Geschichten. Hin und wieder wird der aufmerksame Leser mit einem Gedicht belohnt, manchmal schreibt sie ganz persönliche Zeilen. Ich habe mich noch nicht ganz durchgelesen, aber ich arbeite daran. Auf jeden Fall ein sehr empfehlenswerter Blog für die Interessierten und Gelangweilten dieser Welt.

Heute möchte ich euch speziell eine Kurzgeschichte vorstellen, die mich persönlich sehr bewegt hat. Ich habe sie gefunden bekommen als ich persönlich in einer sehr verletzlichen Phase war und ich glaube, diese Freundin, die sie mir geschickt hat, die mich sehr gut kennt, hat das nicht ganz ohne Hintergedanken getan. Aber genug der großen Worte, hier erstmal die Geschichte. Enjoy.

Die Prinzessin der Schwerter

Vor langer Zeit lebte weit oben in den Bergen, so hoch, dass sie fast den Himmel berühren konnte, eine Prinzessin. Sie entstammte einem alten Amazonengeschlecht. Schon ihre Mutter und ihre Großmutter waren Amazonen gewesen, stolz, kämpferisch, stark und einsam. Auch die Prinzessin lebte allein, und da sie noch immer keine Kinder hatte, fürchtete sie, dass mit ihrem Tod auch die Blutlinie ihrer Familie enden würde.Ihre Mutter hatte sie schon früh im Umgang mit einem scharfen Schwert unterwiesen, hatte ihr gezeigt, wie man einen Gegner mit einem einzigen, wohlgezielten Schlag besiegen, ja töten konnte, wenn man sein Herz traf. Auch hatte die Prinzessin gelernt, dass es wichtig war, stets aufrecht zu stehen und niemandem, weder Freund noch Feind, eine Schwäche zu zeigen.

„Helfen kannst nur Du Dir, niemand sonst. Rechne niemals damit, dass Dir jemand in einer Notlage beisteht, dann wirst Du auch niemals enttäuscht oder verletzt werden. Übe Dich im Kampf und wenn Du fühlst, dass Du nicht siegen kannst, zieh Dich zurück.“ Das hatte die Mutter immer zur Prinzessin gesagt, wenn diese um ihre Hilfe gebeten hatte.

Und so bewohnte sie das große Haus, in dem einst drei Generationen gelebt hatten, allein. Abends, wenn es dunkel wurde und die Schatten immer länger, zündete sie in jedem Raum eine Kerze an aus Angst vor der Dunkelheit. Und in vielen Nächten wälzte sie sich ruhelos hin und her, wachgehalten von dem Wunsch nach einem warmen Körper an ihrer Seite.

Zwar gab es einige Bewerber um die Gunst der Prinzessin, doch keiner fand den Weg zu ihrem Herzen, und so zog sie sich immer weiter auf ihren Berg zurück. Hier gab es frische Luft, einen weiten Himmel und riesige, alte Bäume, deren Stämme ihrem Rücken Halt boten, wenn sie zu erschöpft war, um aufrecht zu stehen. Denn die Prinzessin setzte den aussichtslosen Krieg fort, den ihre Großmutter angefangen hatte: Während sie sich mit einer Hand am alten und morschen Altar ihrer Familie festhielt, schlug sie mit ihrer Schwerthand voll ohnmächtiger Wut nach den Wolken, kämpfte gegen einen unsichtbaren Gegner.

Eines Tages traf sie auf einem ihrer Streifzüge durch die Wälder auf einen Ritter. Sofort zog sie ihr Schwert, bereit, sich gegen seinen Angriff zu verteidigen.

„Bitte, steckt das Schwert wieder ein!“ bat er sie. „Seit vielen Jahren muss ich jeden Tag kämpfen. Ich bin müde, und ich möchte mich nicht mit Euch streiten.“

„Müde seid Ihr? Dann kommt mit in mein Haus, ich werde versuchen, Euch ein wenig zu stärken.“ sagte die Prinzessin und reichte ihm die Hand. Vor Freude über sein Erscheinen hatte sie vergessen, dass sie kaum in der Lage war, sich selbst zu ernähren.
Der Ritter folgte ihr, doch als er sah, was sie zu bieten hatte, schüttelte er den Kopf. „Das wird nicht reichen, meine Liebe,“ sagte er, „ich bin wirklich am Ende meiner Kräfte.“

„Dann nehmt von meiner Stärke!“ antwortete sie. Sie war sicher, dass ihre Kampfeskraft für zwei reichen würde. In ihrem Kopf aber hörte sie die Stimme ihrer Mutter: „Mein liebes Kind, sei auf der Hut! Lege Schwert und Rüstung nicht ab, solange Du diesen Ritter in unserem Haus beherbergst! Du kannst nicht wissen, was er wirklich im Schilde führt. Sei wachsam und zeige keine Schwäche.“

Der Ritter jedoch wünschte sich genau das: Er hatte ihr im Wald tief in die Augen gesehen und war sicher, dass unter der Rüstung eine liebenswerte Gefährtin steckte. Und da er nicht wusste, was die Stimme der Mutter gesagt hatte, bat er die Prinzessin: „Schaut, ich vertraue Euch! Ich habe mich all meines Kriegsgerätes entledigt und bin ohne Schutz. Warum legt Ihr Rüstung und Schwert nicht ebenfalls ab? Auch Ihr könnt mir vertrauen!“

Die Prinzessin erschrak. Er verlangte von ihr, wovor ihre Mutter sie so eindringlich gewarnt hatte! Wie sollte sie ihm vertrauen? „Ich kann meine Rüstung nicht ablegen.“ antwortete sie ihm. „Wir kennen uns doch kaum.“

„Aber trotzdem wart Ihr bereit, mich in Euer Haus einzuladen.“ sagte der Ritter.

„Und ich wünsche mir, dass Ihr bleibt. Aber verlangt nicht von mir, mich Euch ohne Schutz zu nähern.“

Der Ritter gab nach in der Hoffnung, dass die Prinzessin eines Tages genug Vertrauen zu ihm haben würde, um auch diesen Schritt zu tun.
Und so lebten sie für eine Zeitlang miteinander, hatten gute Zeiten und weniger gute. Manchmal legte die Prinzessin ihr Schwert beiseite, behielt aber die Rüstung stets an. Zu groß war ihre Angst. Wer würde sie sein ohne ihre Waffen?
Sie wusste jedoch, dass er sich nicht auf immer mit einer Prinzessin des Schwertes zufriedengeben würde, und weil sie fühlte, dass dieser Moment näher rückte, zog sie sich immer häufiger in den Wald zurück, mied seine Gegenwart.

Eines Tages war er ihr gefolgt und sah ihr zu, wie sie sich an den Stamm einer großen, alten Buche lehnte, die Augen geschlossen, mit einem so friedlichen Ausdruck in ihrem Gesicht, wie er ihn während all der Wochen niemals wahrgenommen hatte. Ihn erfasste ein unbändiger Zorn. Gleich vom ersten Tag an hatte er alle Waffen abgelegt, um ihr zu zeigen, dass er ihr vertraute. Sie jedoch nahm seine großzügige Geste als selbstverständlich an, ohne ihm auch nur einen Schritt entgegenzukommen. Nein, das musste ein Ende haben! Jetzt.
Der Ritter verließ sein Versteck und ging schnellen Schrittes auf die Prinzessin zu. Sie erschrak, sprang mit einem Satz hinter den Baum, ihre Hand griff zum Schwert, zog es jedoch nicht aus der Scheide. Sein Zorn wurde noch größer. Ja, glaubte sie denn, er wolle sie angreifen?

„Zeig Dich endlich!“ schrie er, die Augen vor rasender Wut verdunkelt!

„Ich kann nicht.“ flüsterte sie und blickte zu Boden.

„Wie soll ich Dich lieben, wenn ich nicht weiß, wer Du bist?“ Er machte einen Schritt auf sie zu.

„Ich verlange nicht, dass Du mich liebst.“ Sie wich weiter zurück.

„Aber ich will Dich lieben können!“

„Dann liebe das, was ich Dir zu zeigen in der Lage bin.“ Sie streckte die Arme nach ihm aus, wagte einen vorsichtigen Schritt in seine Richtung.

„Das reicht nicht.“ antwortete er resigniert und senkte den Blick.

Ihre Arme fielen herab. „Das habe ich gewusst.“ sagte sie und ging.

Die Geschichte berichtet von einer wahrscheinlich zur erzählten Zeit nicht mehr ganz jungen Frau, die von ihrer Mutter wie diese schon von ihrer eigenen gelehrt wurde, sich niemals ohne Schutz zu präsentieren. Die drei Frauen werden als Amazonen beschrieben, die mit Schwert und Rüstung gegen den unsichtbaren Feind kämpfen. Personalisiert wird dieser Feind als die Wolken, ein hoffnungsloser Kampf, der auch als solcher, mindestens vond er Protagonistin, erkannt wird. Die Mutter brachte der Tochter immer bei, sich niemals auf jemand anderen außer sich selbst zu verlassen und hat damit eine sehr alte Einsamkeit noch eine Generation weiter zum Fortbestand verholfen. Sie warnt explizit davor, keinem anderen zu vertrauen, um vor Enttäuschung und Verletzung gefeit zu sein. Niemals solle die Prinzessin des Schwertes, wie die Frau auch genannt wird, sich ohne Rüstung zeigen, um keinen Angriffspunkt zu geben. Es geht allerdings schon früh aus dem Text hervor, dass sie sich nach Nähe und Geborgenheit sehnt. Sie hat Angst vor der Dunkelheit, weshalb sie des Nachts in dem großen einsamen Haus, das sie inzwischen alleine bewohnt, in jedem Zimmer eine Kerzen anzündet.
Eines Tages begegnet sie im Wald einem Ritter. Er sei müde vom Kampf, er wolle mit ihr nicht streiten, sagt er worauf hin sie ihn in ihr Haus einläd, obwohl sie wie sonst auch immer, zuerst sofort nach dem Schwert gegriffen hatte. Sie hat kaum genug, sich selbst zu versorgen, trotzdem nimmt sie ihn mit und er legt sofort als Zeichen seines Vertrauens seine Waffen ab, sie jedoch wagt es nicht. Er will sich in Geduld üben, aber auch über die Zeit hinweg schafft sie es gerade einmal hin und wieder das Schwert abzulegen, niemals jedoch zeigt sie sich ihm ohne den Schutz ihrer Rüstung. Eines Tages trifft er sie überraschend im Wald an, in sich versunken und entspannt wie nie. Er fängt einen Streit an, schreit sie an, endlich ihr wahres Gesicht zu zeigen, er wolle sie lieben und könne es nicht, solange er nicht wisse, wer sie eigentlich ist. Sie bittet ihn, zu lieben, was sie bereit ist ihm zu zeigen, doch er erwidert, das sei nicht genug.

Eindeutig eine Geschichte ohne Happy end.
Die „Prinzessin“ wird als verunsicherte Frau beschrieben, die von Kindes Beinen an gelernt hat, dass Vertrauen unmittelbar zu Enttäuschung und Verletzung führt. Sie wurde darauf getrimmt, niemals ihren Schutz fallen zu lassen und niemals ohne Waffen zu sein. Dennoch sehnt sie sich nach zwischenmenschlicher Nähe und fühlt sich oft einsam. Die Angst vor der Dunkelheit ist nur der sichtbare Teil ihrer Zweifel.
Schon an dieser ersten Beschreibung der Protagonistin merkt man, dass die Geschichte ein Gleichnis ist. Die ganze Darstellung der Person besteht aus Metaphern. Vertrauen führt zu Enttäuschung, Verletzung. Eine Rüstung als Schutz. Man muss kein Literaturwissenschaftler sein, um einen Bezug zur Realität herstellen zu können. Auch ihre eindeutigen Zweifel, ihre Angst lassen sich leicht übertragen. Die Luft, der Wald und die darin beschriebene Freiheit sind nur eine hübsche Umschreibung für die Einsamkeit, die sie eigentlich empfindet. Besonders schön kommt die Metapher heraus, als eine zweite Person, der Ritter auf die Bühne tritt. Er legt, im Gegensatz zu ihr, sofort all seine Waffen ab und präsentiert sich ihr ohne Rüstung. Damit will er sein Vertrauen zu ihr zeigen, doch sie nimmt diese großzügige Geste als selbstverständlich. Übertragen könnte man darin sehen, dass er sich ihr sofort geöffnet hat, während sie ihm gegenüber weiterhin komplett verschlossen geblieben ist. Er hat ihr seine Seele preis gegeben doch sie war nicht bereit ihm einen gerechten Gegenwert zurück zu geben indem sie auch etwas von sich offenbart. Auch das wird später eindeutig angesprochen, in dem Streitgespräch am Ende der Geschichte.

Der Ritter findet sie nach wahrscheinlich langer Zeit, die er in ihrem Haus gelebt hat alleine im Wald und in Frieden mit sich. Sie wirkt im Reinen mit sich selbst, ihr Gesichtsausdruck ist entspannter als er ihn je gesehen hat. In dem Moment verliert er die Geduld und schreit sie an. Wenn man den Blick hinter das Erzählte wirft überrascht er sie in einer Situation, in der sie sich von nichts bedroht fühlt. Sie ist alleine und wähnt sich in Sicherheit, die einzige Möglichkeit für sie, sich fallen zu lassen. Doch diesen Anblick kann er nur kurz genießen, da sie sofort alle Ruhe verliert, als er sich ihr zu Erkennen gibt. Sobald eine andere Person in ihr Sichtfeld tritt wähnt sie sich in potentieller Gefahr und versucht sofort sich mit allen Mitteln zu schützen. Sie hat sich schon so weit verschlossen, dass es ihr nicht möglich ist, sich zu öffnen, ohne einen Teil von sich zu verlieren oder zu verleugnen. Auch das wird eindeutig angesprochen, nämlich in  der Stimme ihrer Mutter, die sie von Anfang an vor dem Fremden warnt. Sie gewährt ihm trotzdem Zugang in ihr Haus, in ihr Herz wagt sie es jedoch nicht, ihn vorstoßen zu lassen. Er schreit sie an, weil er sie lieben will, doch er ist nicht bereit, sich mit dem zufrieden zu geben, was sie bereit ist ihm zu geben.

Sowohl seine als auch ihre Haltung sind mit dem jeweiligen Blickwinkel nachvollziehbar. Er hat sich ihr von vorne herein geöffnet und erwartet natürlich ein gewisses Entgegenkommen auch von ihr. Doch sie hat Zeit ihres Lebens in Angst gelebt, enttäuscht und verletzt zu werden, was ihre Möglichkeiten jemandem zu vertrauen sehr stark einschränkt. Der Text lässt offen, sich als Leser vorzustellen, wie viel Mühe er sich gegeben hat, ihr Herz zu erobern und ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er viele Anstrengungen unternommen hat ist sehr hoch, da er ihr vorwirft, ihm trotz allem nicht entgegen gekommen zu sein. Man könnte an dieser Stelle durchaus sexistisch argumentieren und dem Ritter kaum bis gar keine Bemühungen unterstellen, da er ein Mann ist und deswegen überhaupt nicht sensibel genug ist, um die Prinzessin zu verstehen. Er hat seine Rüstung abgelegt um ihr sein Vertrauen zu beweisen und erwartet das gleiche von ihr. Er geht also davon aus, dass es selbstverständlich ist, dass man zurück gibt, was man selbst bekommt, ohne die Option offen zu lassen die Gabe gar nicht annehmen zu wollen. Doch die Vermutung liegt nahe, dass das nicht die Intension der Autorin war, da der Ritter der Prinzessin durchaus Zeit einräumt, sich langsam an ihn zu gewöhnen und eines Tages Vertrauen zu ihm zu fassen. Außerdem ist die Analyse und der Ansatz von Interpretation eines romantischen Gleichnisses nicht der richtige Platz für sexistische Spekulationen.

Die Geschichte hat mir persönlich sehr gut und nicht so sehr gefallen. Sehr gut, weil sie sehr schön und klar geschrieben ist, der Stil ist einfach aber prägnant, die Botschaft ist hübsch verpackt und eindeutig verständlich. Nicht so sehr, weil ich in der Geschichte eindeutig zu viel von mir selbst wiedergefunden habe. Jedenfalls aus meinem beschränkten Blickwinkel. Wie schon erwähnt wurde mir der Text in einer nicht optimalen emotionalen Lage zugespielt. In so einem Moment neigt man dazu, mehr in Möglichkeiten hinein zu interpretieren, sich die Schuld an unsinnigen Dingen zu geben und vor allem, überall Spiegelbilder von seiner eigenen Situation zu sehen. Wenn man dann Gelegenheit hat, nochmal genauer nachzudenken fällt einem vielleicht auf, dass man total überreagiert hat … oder man sieht plötzlich, dass sich die Geschichte noch viel mehr auf einen bezieht, als man eigentlich dachte.
Und da frag nochmal einer, warum ich paranoid werde …

Ich hoffe, die Geschichte hat euch so gut gefallen, wie mir. Schaut euch doch mal auf dem Blog der Autorin um, da treiben sich nämlich noch mehr so verborgene Schätzchen herum. Vielleicht stelle ich hier in meinen heiligen Hallen auch noch das ein oder andere Goldstück vor, wenn ich mich gar nicht mehr zurück halten kann.

Zu guter letzt noch ein Spruch, der mir gut gefallen hat und der sich bestimmt gut auf meine Texte anwenden lässt: „Das Kommamonster setzt, Kommata wo und wann es, will!“

Schmollmieze schmollt – eine figura etymologica

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Eigentlich wollte ich heute glücklich und zufrieden von meinem Einkaufsbummel berichten und von meinen neuen, wunderhübschen Schuhen, aber wie das so mit guten Dingen ist, sie währen nicht lange, wenn sie hässlichen Tatsachen ins Gesicht blicken müssen. Heute ist mir nämlich eine dämliche und eine ärgerliche Sache passiert. Eigentlich ist die dämliche Sache zwar auch ärgerlich, aber ich ärgere mich so ungern über mich selbst, in solchen Situationen schmolle ich lieber und lasse meine Umwelt mit mir leiden.

Aber zuerst die ärgerliche, und zwar sehr ärgerliche Geschichte.
Ich liebe Terry Pratchett. Man könnte das, was ich für seine Bücher entwickelt habe, beinahe eine Obsession nennen. Allerdings fehlen mir noch immer einzelne Werke aus seiner Bibliographie. So zum Beispiel der Scheibenweltroman „Fliegende Fetzen“. Unter anderem da Studenten ja immer knapp bei Kasse sind und weil ich tiefes Mitleid für ausrangierte Bücher empfinde habe ich es über den Amazon Marketplace bei einem Privatanbieter bestellt. Ich bin da immer ziemlich skeptisch, weil ich schonmal bei ebay ziemlich ins Klo gegriffen hatte. Da habe ich einen Manga bestellt und die erste Seite war mit Buntstiften ausgemalt. Sehr ärgerlich. Preisnachlass bringt mich da auch nicht weiter, weil ich das Ding nicht gekauft hätte, wenn ich gewusst hätte, in welchem Zustand es ist. Genau das gleiche jetzt wieder. Wenn ich gewusst hätte, in welchem Zustand das Ding ist, hätte ich ein anderes Exemplar gewählt. Dieses habe ich aus der Liste ausgewählt, weil es das erste war, dessen Zustand mit „Sehr gut“ beschrieben worden war. Ich hätte auch das nächste nehmen können, oder das übernächste. Der Preis ist da eher einskommafünfrangig.
Heute, schon mal einen Tag später als es spätestens geliefert werden sollte, kam das Buch an. Zuerst habe ich mich gefreut, dass es endlich da ist … und dann habe ich mich nicht mehr gefreut.

Hier sehr hübsch zu sehen, die Seiten sind total vergilbt. →

Und hier ↓ hübsch mit Schatten vom Handy die Risse.

Außerdem ist noch der Buchrücken gebrochen.

Vielleicht mögen für einige von euch die Schäden wirklich marginal wirken, aber mich ärgert die Geschichte. Ich habe nicht viel Geld bezahlt, das ist schon richtig, und für den Preis ist der Zustand vielleicht sogar angemessen, aber wenn ich von dem Zustand korrekt in Kenntnis gesetzt worden wäre, hätte ich lieber mehr Geld für ein Buch ohne solche Beschädigungen ausgegeben. Der Verkäufer hat schlichtweg gelogen und ein Preisnachlass ändert an der Geschichte auch nichts.
Ich besitze einige Bücher die in weit schlimmerem Zustand sind. Zum Beispiel mein Oxford English Dictionary, das halb aus seinem Einband heraus fällt, weil es schon so zerlesen ist. Oder meine Harry Potter Bücher, die durch die Bank am Rücken mit Klebeband verstärkt sind, weil der Einband dem Gewicht einfach nicht stand gehalten hat. Oder die Auflage von 1923 einer Samlung von wissenschaftlichen Artikeln über die Romantik, auf die ich sehr stolz bin. Oder ein paar zerlesene, zerfledderte Schmöker aus einer Art Überraschungskiste, in die ich mich auf einem Bücherflohmarkt spontan verliebt hatte. Aber bei den ersten beiden Beispielen habe ich die Bücher selbst so fertig gemacht und bei anderen hatte ich einfach keine Wahlmöglichkeit. Hier aber hatte ich eine. Ich konnte mich entscheiden, ob ich dieses Exemplar nehme, oder ob ich einen Euro mehr für ein wahrscheinlich besser erhaltenes Buch bezahle. Wenn ich gewusst hätte, in welchem Zustand das Buch tatsächlich ist, und hätte ich keine andere Möglichkeit gehabt, das Buch gebraucht zu kaufen, dann hätte ich eben drei Euro mehr in die Hand genommen und das Buch Versandkostenfrei neu gekauft. Druckfrisch und noch nach Leim duftend. So aber wurde ich, mir fällt kein passenderes Wort ein, betrogen.
Und das macht mich, jetzt wo der Ärger größtenteils verflogen ist, einfach sehr traurig.

Aber ich mir ist ja noch etwas sehr dämliches passiert heute. Ich musste heute einen riesen Haufen Wäsche bügeln, bei dem mir erstmals aufgefallen ist, wie viele Blusen mit Puff-Ärmeln ich besitze. Und außerdem, wie kompliziert es ist, Puff-Ärmel zu bügeln. Bei einer meiner gewagten Aktionen, einfach heiße Luft in den Schulterbereich zu pumpen habe ich mir den Zeigefinger und den Mittelfinger der rechten Hand ziemlich böse verbrüht. Das ist so dämlich, dass ich es niemandem verleiden kann, darüber zu schmunzeln.

Da ich gerade eine Bestätigung per Mail bekommen habe darf ich euch feierlich für morgen ein neues Wort zum Sonntag versprechen. Ich habe nämlich mal wieder einen super Tipp bekommen und tatsächlich eine sehr schöne Geschichte gefunden, die ich morgen intensiv zerpflücken werde. Ihr dürft mich übrigens jederzeit gerne Texte schicken, die euch besonder gefallen, bewegen oder sonst irgendwie auffallen!

In diesem Sinne,
eine (lädierte) Schmollmieze

Heute kein Titel.

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Oh, ich habe eine hübsche Perle gefunden. Eine kleine Geschichte, die ich am 9. Oktober 2008 geschrieben habe.

Immer wenn die Sonne unterging stand sie dort oben. Kein Tag, an dem ich nicht ihre schwarze Silhouette gegen das rote Abendlicht sah. Sie gab dem Anblick etwas besonderes. Etwas düsteres. Früher hatte ich der Dämmerung nie besondere Bedeutung beigemessen. Heute ist jeder Sonnenuntergang ein kleiner Tod. Denn so hatte sie es beschrieben. ich erinnere mich genau, es war das einzige Mal, dass ich sie habe sprechen hören. Ich stand ganz nahe hinter ihr, niemals war ich ihr so nah gewesen. Aber an jenem Tag wollte ich, dass mich sah, mich wahr nahm.

„Und wieder stirbt ein Tag..“, hatte sie gesagt mit einer Stimme wie rote Herbstblätter im Schnee. Danach hatte sie sich umgedreht und war wortlos an mir vorbei gegangen.

Viele Male hatte ich sie beobachtet, wie sie dort oben stand, an der Klippe so nahe dem Rand. Das Feuer der Sonne verwandelte ihr glattes Haar im Wind in einen goldenen Heiligenschein. Hart zeichneten sich die traurigen Züge in den weichen Konturen ihres Gesichts gegen das Licht ab. Und jeden Abend fiel ein glänzender Diamant von ihrer Wange und versickerte irgendwo im schwarzen Stoff an ihrer Brust.

Heute stehe ich hier, an einem anderen Abgrund der nur etwa sechs Fuß in die Tiefe reicht und frage mich, warum ich niemals mit ihr gesprochen hatte. Mit den getrockneten Rosenblüten und den Herbstblättern fällt ein kleiner Diamant von meiner Wange, aus meinem Auge in ihr Grab. Die roten Blüten im Schnee sehen aus wie das Blut, das ihre weißen Laken getränkt hatte.

Ruhe in Frieden …

Ich hoffe sie gefällt euch. Im Moment bin ich leider ein bisschen .. sagen wir emo drauf, deswegen werden die meisten Beiträge, die ich anfange deprimierend und nicht unbedingt literarisch wertvoll. Hoffentlich kommt bald mal wieder was sinnvolles.

Schaumbadträume und Satinschlafanzüge

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Hier bin ich wieder, am Ende meines Tages, meiner Ferien, meiner Kräfte … Morgen beginnt für mich von neuem der ‚Ernst des Lebens‘ – die Uni. Ich studiere inzwischen tatsächlich Germanistik und habe mich, nicht lachen, für das ‚Nebenfach‘ Informatik entschieden. Rein theoretisch ist es ’nur‘ Nebenfach mit 60 zu 120 (Germanistik) ECTS aber am Ende habe ich trotzdem, wenn ich das richtig verstanden habe zwei Abschlüsse. Nämlich den Bachelor of Arts und den Bachelor of  Science. Und falls ich mich tatsächlich täuschen sollte mach ich einfach nächstes Jahr den Eignungstest für Informatik und studiere dann im WS mit zwei Hauptfächern weiter. Macht bestimmt auch Spaß. Vielleicht habe ich mir das aber in zwei Wochen bis sechs Monaten schon wieder komplett anders überlegt.

Nunja ich muss sagen, dass die Ferien tatsächlich etwas arg lang waren. Gegen Ende ist mir dann schon sauber die Decke auf den Kopf gefallen. Zuerst ewig Invalide, dann irgendwie nicht richtig aufraffen können … naja, wer schon mal länger eher unfreiwillig nichts tuend zu Hause war kann es mir wahrscheinlich nachfühlen. Dass ich nu aber zweimal die Woche schon um 8 Vorlesung habe, ergo um 6 aufstehen muss damit ich um 7 das Haus verlassen kann find ich nu auch nicht so prickelnd! Muss man denn immer von einem ins nächste Extrem stürzen?! Dafür habe ich, auf jedenfall erstmal Vorläufig, mal sehen was noch kommt, Montags und Freitags generell frei. Mein größter Traum ist in Erfüllung gegangen, mein Wochenende ist länger als meine Woche 😀

So und wie weiter? Ich habe, wenn ich mich spontan und etwas eindringlicher erinnere mit größter Wahrscheinlichkeit mindestens eines der drei beschissensten Wochenenden jemals hinter mir, wenn nicht tatsächlich die Nummer 1. Vor allem auch, da sich das ganze ziemlich auf meine körperliche Konstitution ausgewirkt hat und ich wahnsinnige Kopfschmerzen hatte oder auch habe. Mal sehen was morgen früh ist. Womit wir zu oben erwähntem Schaumbad kommen.

Es ist ein wundervolles Gefühl, wenn ein ganzes Wochenende in heißem Dampf und Kerzenschein zu kaum mehr als einer schmerzhaften Erinnerung zusammen schmilzt. An dieser Stelle danke ich meinen Freunden Christina und Florian nochmal, die mir zum Geburtstag ein echt tolles Lush Paket geschenkt haben.  Danach Rosenöl und Satinschlafanzug. Satinschlafanzüge sind eindeutig ein Geschenk der Götter, ein Beweis, dass es jemand gut mit uns meint. 

 

In diesem Sinne. Bis zum nächsten Mal. Ganz bald. Bestimmt … 😛